Lauftreff TV Ottweiler

9. Keufelskopf Ultratrail 2017 PDF Drucken E-Mail
  

Meine Gedanken bereits nach den ersten  5 Kilometern:  WER kann sich so etwas nur ausdenken? Welcher IRRE konzipiert eine solche Strecke für einen Traillauf? Eine Strecke nämlich, die nicht nur von der Länge her, sondern auch durch tierisch harte Höhenmeter eine so  mörderische Kombi ist wie man es sich vorher nicht vorstellen kann- auch dann nicht wenn man schon etliche Trailläufe mit erklecklich vielen Höhenmetern und durchaus lobenswerten Streckenlängen bestritten hat (Hartfüßler, Trail Uewersauer, Trail Römische Weinstraße.mit 58, 85 oder 104 km, Jungfrau Marathon.....) . Alles Spaziergänge gegen den KUT.


Hätte ich es vorher gewußt, ich wäre nicht angetreten....und hätte einiges versäumt.

DAS: ist der Erfinder des Schreckens: Eric Tuerlings, Holländer seines Zeichens (woher kennt der Mann Steigungen??), wohnhaft in Reichweiler in der Pfalz  und dem Traillauf verfallen.

Erklärtes Ziel: Trailer an Ihre Grenzen bringen und auf jeden Fall auch darüber hinaus zwingen mit einer Wegführung, die in weiten Teilen nicht zu laufen ist, sondern nur zu erklettern, an Seilen hangelnd steil bergan oder halsbrecherisch steil bergab, auf unwegsamem Gelände, über Pfade die nicht existieren oder vor Urzeiten eventuell mal existiert hatten....Warum nur trägt der Kerl Teufelshörner? ;-)


Um es vorwegzunehmen: Ich habe es geschafft, trotz aller Zweifel unterwegs, trotz vieler Flüche angesichts der ständig auftauchenden beschriebenen Unbill.

Es gab auch etliche schöne Abschnitte, in denen der KUT über die wunderschönen Pfade des Saar Hunsrück Pfades führte, es gab herrliche Aussichten (immerhin musste man 10 Höhen im Pfälzer Bergland erklimmen: Weiselberg, Keufelskopf, Hellerberg, Karrenberg, und wie sie alle heißen.). Asphaltierte Strecken waren nur mit der Lupe zu finden. Es gab durchaus auch längere Strecken, vor allem im mittleren Teil, die man hätte schön laufen können... nur war man (ich in diesem Fall) von den vorhergegangenen Anstiegen schon so groggy, dass man sich auf diesen Abschnitten erst mal erholen musste für die nächste Herausforderung. :-)

so in etwa sah ein Teil der Strecke aus. Und das da war noch ein Abschnitt wo man zum Teil ohne Seil hochkam ;-)


Das absolute Highlight gab es nach 45 km: Ein Schild: „Beware of the Chair“ am Wegesrand, dessen Bedeutung ein paar hundert Meter weiter schlagartig klar wurde. Ein blauer Plastiksessel an der Strecke mit 2 Kisten kühlem! Bier daneben. ECHTES Bier! Und ALLE, die mit mir zu dem Zeitpunkt da waren, haben eines gekippt, Alkohol hin oder her.

Nach erfolgreichem und aufbauendem Bierkonsum dann dieses Schild an der Strecke:

Da kam Freude auf!

Im Ziel nach durchaus sehr kurzweiligen, äußerst anspruchsvollen 14 Stunden und 33 Minuten Klettern, hangeln rutschen und ein wenig laufen und mit einer Punktlandung (3 Minuten nach Zieleinlauf begannen Starkregen und Gewitter) wurde ich von Eric, der jeden Finisher persönlich begrüßt gefragt, wie mir der Lauf denn gefallen hätte.

Meine Antwort, dass ich mir durchaus mehr Streckenabschnitte gewünscht hätte, die auch LAUFBAR wären und nicht nur erkletterbar, die bereue ich jetzt- zwei Tage nach dem mörderischsten und übelsten (vom Schwierigkeitsgrad her) Trail den ich je bestritten habe- und möchte Eric sagen:

DAS war mit Abstand der geilste Trail den ich mir je erkämpfen durfte. Teuflisch geil! Dauergrinsen für Wochen gesichert. Ich komme wieder!

Fotos hab ich selbst keine gemacht (zu erschöpft? ;-) ), sondern mir welche von netten Laufkollegen gediebt, die ich beim Marburg Ultra im März kennengelernt hatte und von einer ebenso netten Frau, auf die ich aufgelaufen bin und mit der ich den Trail dann gemeinsam beendet habe. Man möge es mir verzeihen.

Im Ziel mit Jessica, Eric der Teuflische in der Mitte ;-)

Platzierung? Keine Ahnung, ist nicht wichtig bei diesem Trail. Ergebnisse sind eh noch nicht online. Aber in Anbetracht der Tatsache dass ich von 130 Gemeldeten die Älteste war (mit einer männlichen Ausnahme) , ich nicht besonders Gas gegeben und mich an einer Stelle auch noch verlaufen hatte, kann ich mit einem Rang im hinteren  Mittelfeld bei vielen DNF etwa 70 von 130 Startern finishten...) unter den Bedingungen in diesem Jahr (heiß und schwül...) äußerst zufrieden sein und bin es auch.

Update: Ergebnisse sind online: Bin zusammen mit Jessica Schumann aus der W 40 6. Frau. Es kamen nur 8 von 14 gemeldeten ins Ziel. 2.Platz AK. :-)

Lisa

Aber EIN P.S. Darf nicht fehlen: DUMM gelaufen im wahrsten Sinne des Wortes:

Nachdem ich die Mörderstrecke unbeschadet überstanden hatte (Wrightsocks und Inovate-Barfußtrailschuhen sei Dank!) ohne eine einzige Blase oder sonstige Blessur, wurde mir die heimische Treppe zum Verhängnis, die ich völlig übermüdet, beladen mit Rucksack, Sporttasche und zwei Flaschen Weißbier für den späteren Konsum, erklimmen wollte. Linken Fuß auf einer Stufe nicht mehr hoch genug bekommen und mit der besockten großen Zehe volles Rohr gegen die Fliese. Nagel adé. DUMM GELAUFEN!