Lauftreff TV Ottweiler

28. März 2010 Marathon--Freiburg: "Aus dem Leben eines Pacemakers und seines Teams". PDF Drucken E-Mail
  

Er ist Beinschrittmacher - macht den Läuferinnen und Läufern lautlos Beine - beim Laufen und eigentlich auch ein natürlicher kostenloser Herzschrittmacher für den gesunden Puls beim Wettkampf. Wenn der Pacemaker sich beim Laufveranstalter verpflichtet, in einer Zielzeit von z. B. 4:30 Stunden über die mit Sehnsucht ersehnte Ziellinie mit seinem Anhang einzulaufen, dann muss von Anfang an dies akribisch vorbereitet und geplant werden. Für Außenstehende sieht dies alle locker und einfach aus.

Der Lauf-Alltag sagt aber etwas Anderes. Kurz vor dem Start versammeln sich um dich ca. 50 Läuferinnen und Läufer, die, wie alle glauben, dass sie heute ihr Ziel in der gewünschten Zeit erreichen. Doch zwischen Ziellinie und Startlinie sind es 42,195 KM - ca. 50 000 Schritte - und wenn man nicht die Ideallinie läuft, locker 500 m mehr. Die Euphorie aller, die in 04:30 Stunden ins Ziel kommen wollen ist unglaublich. Der Wille beherrscht auf den ersten 25 Km den Körper. Dann aber beginnt der Kampf gegen den Krampf und gegen sich selbst. Zwischendurch wird immer wieder beim Pacemaker bemängelt, dass er zu schnell oder zu langsam sei. Die Zwischenzeit von 02:14:54 - also 6 Sekunden unter dem geforderten Durchschnitt, sind ein für Viele gnadenloses Zeugnis ihrer „Fehleinschätzung“, die sich dann auf den verbleibenden KM der Realität stellen müssen. Ist die Strecke, wie in Freiburg, mit einigen Höhenmetern gesegnet, dann wird es auf der zweiten Runde richtig schwer. Denn dann müssen die 500 m , die zu der Ideallinie hinzukommen, herausgelaufen werden. Das heißt im Klartext, die zweite Hälfte muss etwa pro Km 3 Sekunden schneller gelaufen werden als die erste. Das hört sich wenig an, wird aber von der Muskulatur ganz anders gesehen. Die Muskulatur übernimmt ab KM 30 das Zepter und lässt den Kopf einfach links liegen.

Wer ein durch und durch motivierter Pacemaker ist, der bekommt eigentlich zwar von der Atmosphäre alles mit, aber nicht von den Details auf der Strecke. Die Uhr und das in sich hinein hören beherrscht sein Laufen. Ein Endzeit von 04:29:25 Stunden in Freiburg ist dann der Lohn für konzentrierte Arbeit auf der Strecke. 35 Sekunden vor der erwarteten Endzeit ins Ziel zu laufen ist nicht einfach und bedeutet hartes hartes Training im Bereich „Zeit- und Laufgefühl“. Anders herum gesagt: „Von A nach B, auf einer menschenleeren Autobahn, in der vorgegebenen Zeit von 4:30 Stunden zu fahren, müsste auch erst geübt werden.

Der Zieleinlauf wird einfach nur genossen. Übrigens, nur 3 der 50 Läuferinnen und Läufer konnten das Tempo mithalten und sind vor uns über die Ziellinie gelaufen.

Nach dem Lauf begann dann der gemütliche Teil. Obligatorisch ist das Auffüllen des Flüssigkeitsverlustes mit einheimisch gebrautem Gerstensaft. Am Abend kehrten wir dann in Glottertal im Glottertal in einem Landgasthaus ein und beendeteten auf dem Zimmer im "Haus Sonja" - wie früher bei Klassenausflügen - den Tag feucht-fröhlich.

Direkt nach dem Frühstück begann eine kleine Rundfahrt. Durch das Glottertal ging es zunächst zum Titisee, der zu unserer Überraschung noch zugefroren war. Am Feldberg herrschten noch  gute Schneebedingungen. Hunderte von Skifahrern waren auf den Pisten. Über Todtnau und Oberried ging es dann zurück ins warme Freiburg. Am Nachmittag waren es tatsächlich 22 Grad im Schatten - einfach unglaublich- aber locker aushaltbar. Der Abschluss des Tages fand auf dem „Beckenhof“, dem größten Biergarten Südwestdeutschlands,  kurz vor Pirmasens, statt. Die restlichen 50 Km nach Hause sind wir aber gefahren und nicht gelaufen - auslaufen -. Kleiner Scherz zum Abschluss.

HeinoM

PS.: Wir haben weniger Getränke mit nach Hause genommen als wir mitnahmen. Ist aber doch normal?